Katja Can
Tierärztin
Goethestr. 16
66976 Rodalben
Tel.: 06331 - 18909
Ratgeber Ernährung I Deklaration Hundefutter
Deklarationen und Werbeversprechen

Aus welchen Bestandteilen besteht eigentlich ein Hundefutter?
Deklarationen und Werbeversprechen: Lassen Sie sich nicht in die Irre führen! Was auf den ersten Blick - insbesondere durch Werbeaussagen - gut aussieht, weicht so manches Mal von den tatsächlichen Inhaltsstoffen ab. Worauf Sie bei der Deklaration von Hundefutter achten sollten, verraten wir Ihnen hier:

Was ist Pflicht?
Auf dem Etikett müssen stehen

  • die Bezeichnung des Futtermittels
  • das Mindesthaltbarkeitsdatum oder Herstellungsdatum
  • das Nettogewicht sowie
  • der Name und die Anschrift des Verantwortlichen, der das Futter in den Verkehr gebracht hat

Bei Futtermitteln, die mehr als 14% Feuchtigkeit enthalten (z.B. Dosenfutter), muss der Feuchtigkeitsgehalt angegeben werden. Die Inhaltsstoffe werden prozentual angegeben: Dies sind insbesondere Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche.

Doch was ist denn eigentlich Rohprotein? Das ist der Stickstoffanteil des Futtermittels, bei dem alle stickstoffhaltigen Verbindungen erfasst werden, so dass Rohprotein nicht nur Eiweiße (Reinprotein) einschließt, sondern auch Substanzen nichteiweißartiger Natur, wie z.B. freie Aminosäuren, Peptide, Alkaloide oder Amide. Die Definitionen von Rohfett (alle Inhaltsstoffe, die in Petroläther löslich sind), Rohfaser (Ballaststoffe) und Rohasche (Gesamtgehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen) erscheinen genauso unklar.

Unbrauchbare Angaben
Am folgenden Beispiel wird deutlich, dass diese Angaben zur Beurteilung eines Futtermittels nicht brauchbar sind. Auf einer Dose Hundefutter finden Sie z.B. folgende Angaben:

Rohprotein 10%, Rohfett 6,5% - Rohfaser 2,4% - Feuchtigkeit 68%.
Sie schlussfolgern daraus, dass dieses Futter z.B. Rindfleisch, Leber, Herz, Eier, Hühnerfett, Sonnenblumenöl, Reis und Hafer enthält, weil es genau das ist, was Sie erwarten!

Doch hinter diesen Angaben könnten sich genauso gut alte Lederschuhe, Motoröl und gemahlene Kohle verbergen. Diese Angaben allein sind also keineswegs zur Beurteilung der Futterqualität geeignet! Neben den Inhaltsstoffen soll die Futtermitteldeklaration Angaben über die tatsächlich enthaltenen Futtermittel machen. Diese werden in absteigender Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile aufgelistet.

Wir unterscheiden eine offene und eine geschlossene Deklaration
Geschlossene Deklaration
Bei der geschlossenen Deklaration wird oft vom Hersteller die zugelassene Angabe der sogenannten Futtermittelgruppen gewählt, die ebenfalls in absteigender Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile aufgelistet werden. Wobei aber Einzelfuttermittel gleicher Art zu begrifflich definierten Gruppen zusammengefasst und gemeinsam deklariert werden können (z.B. Weizen + Mais + Reis = "Getreide").
Diese Form der Deklaration lässt keinen Rückschluss auf die verarbeiteten Rohstoffe zu. Sind auch Kleber, Nachmehle usw. enthalten, heißt die Gruppe "Getreide und pflanzliche Nebenprodukte". Diese Gruppen werden vom Gesetzgeber genau festgelegt.

Ebenso verhält es sich bei Fleisch, welches mit der Gruppenbezeichnung "Fleisch" oder "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" gekennzeichnet wird. Zum Beispiel sind Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse alle Fleischteile geschlachteter, warmblütiger Landtiere, frisch oder haltbar gemacht, sowie alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung von Tierkörpern warmblütiger Landtiere. Haut, Schwarte, Hufe, Federn, Hörner, Hühnerköpfe und -füße, Wolle, Lunge, Geschlechtsorgane, Därme und Federn z.B enthalten sehr viel Protein, haben allerdings nicht den geringsten Nährwert! Diese Art der Deklaration sagt nur etwas über die Mengenanteile aus, aber nichts über die Art und Qualität der verwendeten Zutaten.

Offene Deklaration
Bei der offenen Deklaration hingegen werden die einzelnen Inhaltsstoffe aufgeführt. Dabei muss man aber beachten, dass die Hersteller verschiedene Formen eines Stoffes getrennt angeben dürfen. Das bedeutet, dass z. B. Fleisch an erster Stelle aufgeführt sein kann, obwohl Getreide in Summe tatsächlich einen viel höheren Anteil einnimmt, beispielsweise unterteilt in gemahlener Mais, Maiskleber, Weizenfuttermehl, Weizen.

Meist sind die Etiketten sehr werbewirksam mit Abbildungen von leckerem, saftigem Fleisch versehen. Schaut man nun auf die Deklaration, so kann man in etwa Folgendes lesen:

  • Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u.a. mind. 4 % Huhn)
  • Getreide und pflanzliche Nebenerzeugnisse, Zucker, Öle und Fette, Mineralstoffe.

Hier sind 96 % der detaillierten Zusammensetzung unklar, lediglich 4 % sind erklärt und selbst dieser aufgeführte Huhn-Anteil lässt nicht erkennen, ob es sich um qualitativ hochwertiges Muskelfleisch oder um Nebenerzeugnisse wie Krallen und Schnäbel handelt.

Steht auf dem Etikett "Huhn", dann sind auch Nebenerzeugnisse, also Schlachtabfälle gemeint. Im "Hühnermehl" sind diese gemahlen, "Hühnerfleisch" hingegen bezeichnet tatsächlich Fleisch, bei Trockenfutter vor dem Trocknen gewogen, so dass in der Mengenangabe noch das Wasser enthalten ist. "Fleischmehl" ist dann tatsächlich Fleisch, welches nach dem Trocknen gewogen wurde.

Und was ist mit den Zusatzstoffen?
Zusatzstoffe müssen ebenfalls erklärt werden. Das sind insbesondere:

  • Vitamine und Spurenelementen
  • Antioxidanten
  • Aroma- und appetitanregende Mittel
  • Konservierungsstoffe (vor allem in Feuchtfutter)
  • Färbende Stoffe
  • Säureregulatoren
  • Emulgatoren, Stabilisatoren, Verdickungs- und Geliermittel

Allerdings muss der Hersteller nur die Zusatzstoffe angeben, die er selber dem Futtermittel hinzufügt. Sind diese in angelieferten Rohstoffen enthalten, bleiben sie dem Käufer verborgen. Dieses ist für Hunde, die auf bestimmte Zusatzstoffe mit Allergien reagieren, besonders schlimm.

Also ganz ehrlich: Welcher normale Hundehalter blickt im undurchsichtigen Dschungel der Hundefutteretiketten da noch durch? Wenn Sie wissen wollen, was Sie Ihrem Hund füttern, bitten Sie den Hersteller Ihrer Lieblingsmarke, Ihnen detaillierte Angaben über die Zusammensetzung des Futters schriftlich zu machen. Ist er seriös, wird er dieses tun!

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Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Deklaration bei Hundefutter haben beraten wir Sie gern.

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